TIL#6 – Du reitest das Pferd, das du heute hast

Ich habe mir das Video vom heutigen Ritt angesehen. Wir arbeiten gerade an den Übergängen vom Schritt in den Trab, und ich lasse mir viel Zeit im Schritt, bevor ich frage. Erst die Balance herstellen, damit der Trab etwas hat, aus dem er entstehen kann.

Und dabei ist es mir aufgefallen wie schön ihr Schritt geworden ist.

Blondie im Juli 2026

Schau wie sie sich trägt.

Vor zwei Jahren sah das nicht so aus. Ich bin in mein Archiv gegangen und habe ein Video von damals herausgesucht. Dieselbe Stute, dieselbe Bahn, derselbe Schritt.

Blondie im August 2024

Sie ist auf der Vorhand. Alles an ihr geht vorwärts und abwärts, in den Boden hinein.

Aber dieser Schritt war richtig, damals. Diese schöne Selbsthaltung hätte sie mir damals nicht geben können. Ihr Körper war noch nicht so weit, und meiner auch nicht. Es waren frustrierende Jahre, weil sie so extrem auf der Vorhand war.

Einen bergab Schritt korrigierst du nicht, indem du einfach einen guten Tritt clickst und auf das Beste hoffst. Was du hier siehst, ist ihre neue Balance. Und diese Balance entsteht woanders. Am Boden und im Sattel. Von der allerersten Targetlektion bis zu Hip-Shoulder-Shoulder. Eine Lektion nach der anderen, über Jahre.

Und die Hälfte von dem, was sich verändert hat, ist nicht sie. Es bin ich.

Denn ich lehne mich auch nach vorne. Blondie lehnt sich vor, lädt mich ein mitzukommen, und ich nehme die Einladung an. Dann fallen zwei Körper in dieselbe Richtung, und alles landet auf ihren Schultern.

Während sie also ihre Arbeit gemacht hat, habe ich meine gemacht, mit meiner Feldenkrais-Lehrerin Nathalie. Lernen, gerade und lang zu bleiben, wenn das Pferd unter mir tief in der Vorhand ist. Meinen Rücken zu füllen, statt ihr nach unten zu folgen. Das kostet mehr Konzentration, als es klingt. Aber nur wenn ich mein Gewicht nicht zusätzlich auf ihre Schultern bringe, kann sie sich vor mir aufrichten.

Sie kann diese Selbsthaltung noch nicht lange halten. Sie kommt hoch, und sie fällt wieder runter, und wir gehen weiter im Schritt. Aber es passiert jetzt öfter. Und jedes Mal ein bisschen länger.

Sie fängt an, elegant zu werden.