Du kennst diese Frage, die in Gesprächen immer wieder auftaucht? Was machst du, wenn dein Pferd ständig Nein sagt?
Ich meine nicht das große Nein. Nicht Steigen, Durchgehen oder Abschalten. Ich meine das leise Nein. Dein Pferd geht nicht vorwärts, der Gesichtsausdruck wird ein bisschen angespannter, oder es bietet etwas anderes an als das, worum du gebeten hast. Du hast dir beigebracht, diese Dinge wahrzunehmen, denn das ist es ja, was wir tun, oder? Wir haben gelernt zuzuhören.
Also hörst du auf, nimmst dich zurück, machst etwas anderes. Weil das ist, was eine gute Trainer:in tut.
Und beim nächsten Mal, wenn du an dieselbe Stelle kommst, passiert dasselbe und du hörst wieder auf. Und das Mal danach. Jedes Mal, wenn du versuchst, über diesen Punkt hinauszukommen, ist es da, und jedes Mal akzeptierst du es.
Und irgendwann merkst du, dass du seit langer Zeit an derselben Stelle aufhörst. Du kommst nicht weiter.
Du weißt, wo du hinwillst, aber du hast so oft aufgehört, dass du gar nicht mehr weißt, wie du an der Stelle vorbeikommen kannst. Du willst das Nein respektieren, aber du willst auch weiterkommen. Und wenn du die gleiche Frage auf die gleiche Weise stellst, bekommst du immer die gleiche Antwort. Vielleicht geht es also nicht darum, das Nein zu übergehen. Vielleicht geht es vielmehr darum, eine andere Frage zu stellen.
Das ist mir kürzlich mit Blondie passiert. Ich arbeite an Aufwärtsübergängen vom Schritt zum Trab im Schulterherein unter dem Sattel. Das Schulterherein verlangt von Blondie, sich in einer besseren Balance zu tragen, etwas runder, mit mehr Gewicht auf den Hinterbeinen, statt sich über die Vorderbeine nach vorne zu ziehen. Es erfordert, dass sie ihre Beine anders koordiniert, und das passiert nicht in einer einzigen Einheit. Es muss geübt werden. Und es ist eine Schlüssellektion, denn wenn sich das öffnet, wird vieles andere möglich.
Nach ein paar Versuchen kam etwas zurück, das ich lange nicht mehr gesehen hatte. Sie bot wieder andere Verhaltensweisen an. Ein Vorderbein heben, ein kleiner Hopser. Dinge, die sie früher gemacht hat, wenn sie nicht wusste, was von ihr erwartet wurde, oder wenn sie dachte, sie könnte es nicht.
Ich habe diesen Moment nicht auf Video, aber hier ist ein Beispiel dieses Verhaltens vom Anfang unserer Reitarbeit. Damals hatte ich sie nur gebeten, vorwärts zu gehen. Heute eine Selbstverständlichkeit.
Früher in unserem Training war Aufhören oder zu einer anderen Lektion wechseln die richtige Entscheidung. Wir hatten noch nicht die Grundlage, um die schwierigen Themen anzugehen. Aber da sind wir nicht mehr. Wir haben Jahre gemeinsamer Arbeit hinter uns. Ich wusste, dass die Übung ihr guttun würde, und ich wusste, dass sie die Vorbereitung hatte. Also habe ich statt aufzugeben die Schwierigkeit anerkannt, aber die Lektion nicht abgebrochen. Ich habe nicht härter gedrückt. Ich habe variiert, wie ich gefragt habe, und angepasst, wo ich meine Kriterien gesetzt habe. Es war ein Ausprobieren, kein Bestehen.
Ich habe die Kriterien gesenkt und den nächsten Versuch so gestaltet, dass sie ihn schaffen konnte, das geclickt, und dann um ein bisschen mehr gebeten. Nicht um auf dem leichteren Level zu bleiben, sondern um sie wieder in Bewegung zu bringen. Um den Erfolg aufzubauen, der sie in die schwierigere Sache tragen konnte. Ich wusste nicht, ob es funktionieren würde. Ich habe mich durchgetastet und entsprechend angepasst.
Ein paar Clicks und das reichte. Sie war wieder dabei, ging vorwärts und gab ihr Bestes. Es war noch nicht der Übergang, den ich suche, aber der Unterschied zu vorher war unverkennbar. Am nächsten Tag dasselbe Muster, und am dritten Tag waren die alten Verhaltensweisen verschwunden. Etwas hat sich gelöst. Kennst du das, wenn du den richtigen Faden am Futtersack findest und er sich mit einem Zug sauber öffnet? So hat sich das angefühlt.

Sie braucht noch Übung, ihren Körper zu organisieren, und ich muss besser werden in der Art, wie ich danach frage. Aber selbst an den Tagen, an denen sie es konnte, gab es einen Punkt, an dem ich merkte, dass sie müde wurde, und ich aufgehört habe. Nicht weil sie Nein gesagt hat, sondern weil Weitermachen mehr gekostet hätte, als es gebracht hätte.
📽 Das ist unser letzter Übergang von diesem Ritt. Er ist weit entfernt von dem, was ich mir wünsche, aber er ist eine Annäherung. Und es war ein guter Moment, aufzuhören.
Ich denke immer wieder darüber nach, was passiert wäre, wenn ich nicht drangeblieben wäre. Wir würden immer noch um dieselbe Stelle kreisen und ich würde mir immer noch einreden, dass Blondie noch nicht bereit war. Dabei war ich es, die sich nicht sicher war.